Stationenlernen in der Grundschule - beim Lernen Station machen
An den Stationen wird der Unterricht nach Plan bewusst aufgebrochen. Der Klassenraum wird zu einem Lernort, an dem sich die Schülerinnen und Schüler frei bewegen können. Sie erarbeiten sich das themenspezifische Wissen eigenständig, was einen Gegenentwurf zum frontalen Unterrichtsgespräch zwischen der Lehrperson und der Klasse darstellt.
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Was ist Stationenlernen? Definition des Begriffs
Die Thematik des Stationenlernens ist bei der Planung des Fachunterrichts bedeutsam. Lehrpersonen müssen Rücksicht auf die unterschiedlichen Leistungsstände nehmen, welche das Lerntempo und den Erfolg beim Wissenserwerb maßgeblich bestimmen.Der Name dieser Unterrichtsmethode beschreibt die Struktur: Im Klassenraum werden mehrere Stationen aufgebaut. Als Standorte kommen frei zugängliche Tische, Leseecken oder Tafeln infrage. Die Lernstationen ermöglichen einen offenen Unterricht. Im Gegensatz zur üblichen Rollenverteilung nehmen die Schülerinnen und Schüler zwei Funktionen ein: Sie eignen sich selbst Wissen an und treten gleichzeitig als Wissensvermittler auf.
Beim Stationenlernen werden im Klassenzimmer oder in einem anderen Raum im Schulgebäude verschiedene Stationen eingerichtet. Hier finden die Klassenmitglieder Lernmaterialien vor, mit denen sie sich selbstständig beschäftigen. Beim eigenverantwortlichen Ausarbeiten von Lösungen
Stationen mit einem thematischen Bezug zum Unterricht bilden die Grundlage dieser Methodik. Anders als bei den klassischen Unterrichtsformen werden die Stationen nicht von den Lehrkräften kontrolliert. Die Klassenmitglieder sind für die Vollständigkeit des Arbeitsmaterials verantwortlich.
Vorteile und Nachteile der Lernmethode
Für jede didaktische Methode in der Grundschule oder in anderen Schulformen lassen sich Argumente finden, die für oder gegen eine Anwendung im schulischen Umfeld sprechen. Auch das Stationenlernen ist je nach Ausgangslage im Klassenraum vorteilhaft oder kompliziert. Warum gehört das Stationenlernen unbedingt in den Schulalltag? Welche Umstände erschweren die Durchführung im Klassenraum?Vorteile: Was spricht für das Stationenlernen?
Das Lernen mit Stationen ist eine praxisnahe Methodik, um der Schülerschaft Wissen zu vermitteln. Anders als bei der herkömmlichen Interaktion zwischen Klasse und Lehrkraft steht das Schülerengagement im Mittelpunkt: Die Klassenmitglieder sind sowohl Lehrende als auch Lernende.
Beim Stationenlernen ist die Differenzierung bei der Aneignung von Fachwissen grundlegend. Vielfältige Aufgabenstellungen, anschauliche Materialien sowie eine spielerische Verarbeitung thematisch geordneter Kompetenzen tragen zum langfristigen Erfolg beim Lernen bei.
Der Frontalunterricht ist für schüchterne Kinder eine tägliche Überwindung. Das freie Sprechen im Beisein aller Klassenmitglieder kostet sie jedes Mal viel Mut. Beim Stationenlernen ist die Lehrperson weitaus weniger präsent, was solchen Schülerinnen und Schülern beim Abbauen ihrer Schüchternheit hilft.
Nachteile: Was spricht gegen das Stationenlernen?
Die Methode des Stationenlernens setzt eine disziplinierte Arbeitsweise voraus. Gerade in den Grundschuljahren sind viele Kinder auf die Unterstützung der Lehrperson angewiesen oder haben Probleme, sich über einen längeren Zeitraum hinweg zu konzentrieren. In solchen Fällen ist das Arbeiten an den Lernstationen für die Beteiligten herausfordernd.
Bei der Arbeit an den Stationen gelten die üblichen Gesprächsregeln. Auf diese Weise übt man Rücksicht gegenüber den Mitschülerinnen und Mitschülern. Die absichtliche Zurückhaltung der Lehrperson ist beim Stationenlernen zwar gewünscht; allerdings kann sie nicht alle Stationen gleichzeitig im Blick haben. Das Eingreifen bei störendem Verhalten wird dadurch erschwert.
Lernstationen werden selten spontan in den Ablauf integriert. Für das Aufbauen der einzelnen Stationen wird Platz benötigt, was sich in kleinen Klassenzimmern als schwieriges Unterfangen gestaltet. Darüber hinaus muss die Verfügbarkeit des Materials sichergestellt werden, damit ein ungehindertes Arbeiten an den Stationen möglich ist. Bei einer vorausschauenden Planung lassen sich mögliche Widrigkeiten umgehen. Als Lehrperson sollte man seiner Klasse die Gelegenheit bieten, auch bei einem begrenzten Platzangebot an Stationen lernen zu dürfen.
Methoden und Beispiele - konkrete Ideen für Lernstationen in der Grundschule
Die folgenden Beispiele beziehen sich auf Unterrichtsthemen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen, musischen und sprachlichen Fächern. Beim Stationenlernen werden Karteikarten, Laufzettel oder Schreibutensilien benötigt. Hinzu kommen die themenbezogenen Materialien. Mit ihnen wird die Thematik der Unterrichtseinheit altersgerecht veranschaulicht. Das selbstständige Erarbeiten1. Vokabelstationen
Solche Lernstationen eignen sich für Grundschulklassen, in denen bereits erste Fremdsprachenkenntnisse erworben werden. In vielen Grundschulen steht das Fach Englisch ab der dritten Klassenstufe auf dem Lehrplan. An den Stationen finden die Lernenden beidseitig beschriftete Karteikarten. Die Vokabeln werden in Partnerarbeit abgefragt: Ein Kind nennt das deutsche Wort und fragt den Gegenüber nach der englischen Übersetzung. Wer die meisten Vokabeln richtig übersetzt, hat gewonnen.
2. Dinge zuordnen
In Unterrichtsfächern wie Sachkunde lässt sich die Übung zum Beispiel zum Thema Getreide und Brot durchführen: Auf einem Tisch liegen verschiedene Sorten von Getreide. Daneben finden die Schülerinnen und Schüler Karteikarten mit den jeweiligen Namen. Sie müssen die Getreidesorten den richtigen Bezeichnungen zuordnen.
3. Rechnen mit der Rechenraupe
Diese Station funktioniert auch mit der altehrwürdigen Rechenmaschine. Die Klassenmitglieder müssen Mathematikaufgaben lösen und das Ergebnis auf einem Arbeitsblatt notieren. Im Anschluss werden die Lösungen im Plenum verglichen.
4. Sätze bauen
Im Fach Deutsch wird der Satzbau wörtlich genommen: Mithilfe von Stecksteinen bauen die Kinder einen zusammenhängenden Satz mit Subjekt, Prädikat und Objekt nach. Mit jeder Lernstation wird der Satz aus Stecksteinen länger und komplexer.
5. Zirkellauf
Eine beliebte Übungseinheit im Sportunterricht: Die Fachlehrkraft baut Stationen auf, die als Zirkellauf abgearbeitet werden. Je nach Anzahl der Klassenmitglieder wird jeder Station eine Aufsicht zugeteilt. Sie leistet bei den Übungen Hilfestellung.
6. Bibelforschung leicht gemacht
Im Religionsunterricht werden Bibeln bereitgestellt, in denen unterschiedliche Kapitel gesucht werden. Die Klassenmitglieder bekommen die Aufgabe, die Themen der einzelnen Kapitel zu erfassen und deren Inhalt zu benennen.
7. Rollenspiele
Fächer wie Deutsch oder Englisch bieten perfekte Voraussetzungen, um die eigenen Fachkenntnisse in einer Spielszene abzurufen. Szenen mit verteilten Sprechrollen werden als Vorlagen verwendet. Die selbst inszenierten Bühnenstücke lassen sich nach den Vorstellungen der Lernenden inhaltlich ausbauen.
8. Instrumente ausprobieren
Im Musikunterricht haben Grundschulkinder viel Spaß daran, auf Instrumenten zu spielen und - je nach musikalischem Talent - eigene kurze Melodien zu entwickeln. Für jedes Instrument ist eine Station vorgesehen. An den Stationen liegen Steckbriefe mit den wichtigsten Merkmalen (Aufbau, Spielweise etc.) der Instrumente aus, an denen die Schülerschaft selbst ihr eigenes Können beweisen darf.
9. Wortsuche mit dem Lexikon
Diese fachübergreifende Station ist wie das Spiel Eckenraten konzipiert. In jedem Winkel des Klassenraums werden Lexika zur Verfügung gestellt. Neben den Büchern liegen Listen mit Begriffen, die systematisch in den Nachschlagewerken gesucht werden sollen. Wer alle Begriffe in der dafür vorgesehenen Zeit gefunden hat, geht weiter zur nächsten Station.
Anmerkung: Das Lernen an den Stationen lässt sich mit Wettbewerben verbinden. Die Klassenmitglieder mit den meisten richtigen Antworten werden von der Lehrkraft als Sieger des Tages ausgezeichnet.
Stationenlernen - FAQs
1. Wie wird das Wissen zu einem späteren Zeitpunkt abgefragt?Jedes Klassenmitglied erhält einen Laufzettel. Auf dem Zettel stehen Fragen, die sich nach der gemeinsamen Arbeit an den Stationen beantworten lassen. Eine weitere Option ist das Arbeitsblatt zum Abhaken. Diese Variante eignet sich beispielsweise für den Zirkellauf in der Sporthalle.
Die Fachlehrkraft entscheidet, ob das Wissen prüfungsrelevant ist. Ihr Entschluss wird der Klasse frühzeitig mitgeteilt. So können sie sich auf anstehende Klausuren einstellen und arbeiten die Aufgaben an den Stationen gewissenhafter ab.
2. Können sich die Schülerinnen und Schüler eigene Lernstationen ausdenken und sich um die Bereitstellung von Materialien kümmern?
Eine Beteiligung der Schülerschaft ist auf jeden Fall wünschenswert. Die Fachlehrkraft kann sich rechtzeitig bei der Klasse erkundigen, wer Arbeitsmaterial beschaffen kann. Spätestens ab der dritten und vierten Jahrgangsstufe sollte der Schülerschaft die Erlaubnis eingeräumt werden, ihre eigene Station zu betreuen. Für Grundschulkinder ist dieses Zutrauen von der Lehrerschaft ein echter Motivationsschub.
3. Sind Lernstationen als didaktische Methode auch für höhere Klassenstufen geeignet?
Die Methodik des Stationenlernens ist besonders in den ersten Schuljahren weit verbreitet. Für eine ältere Schülerschaft ist sie aber keinesfalls ungeeignet. Ein Unterschied betrifft jedoch den Schwierigkeitsgrad: In den weiterführenden Schulen verfügen die Klassenmitglieder bereits über fachliche Kernkompetenzen. Diese Fähigkeiten werden mithilfe von anspruchsvolleren Aufgaben vertieft, welche die Schülerinnen und Schüler an den einzelnen Stationen bearbeiten.
In den weiterführenden Schulen schließen die Phasen des Stationenlernens häufig mit einer kurzen Präsentation ab. Die Klassenmitglieder werden in Kleingruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt eine Aufgabe, deren Ergebnisse den Anwesenden vorgetragen werden.
Fazit: Nächste Station - fürs Leben lernen!
Wie spielt man auf einem Xylophon? Wie sehen die Ähren von Roggen aus? Wie bringt man ein eigenes Bühnenstück zustande? Wie geht man überhaupt mit einem Lexikon um und findet genau das Stichwort, das man sucht? Solche Fragen lassen sich unter der Aufsicht der Lehrperson im Klassenverband erörtern. Es geht aber auch anders, nämlich viel einprägsamer und mindestens ebenso lehrreich.Der stationäre Wissenserwerb ist eine willkommene Unterbrechung des normalen Lehralltags. Anstelle von frontaler Vermittlung neuer Erkenntnisse darf sich die Schülerschaft intensiv und ihrem persönlichen Leistungsstand entsprechend mit den verschiedenen Unterrichtsthemen befassen. Bei der interaktiven Aufnahme von neuem Wissen und der Vertiefung bereits vorhandener Fähigkeiten besteht nicht jener Druck, wie man ihn aus dem klassischen Unterrichtsgespräch kennt.
Beim Stationenlernen muss die Theorie der alltagsnahen Praxis weichen. Unterrichtsinhalte mit einem erkennbaren Bezug zum eigenen Leben sind gerade für Kinder im Grundschulalter interessant. Die Aufnahme von Fachkenntnissen vollzieht sich beim Experimentieren, Ausprobieren und Üben an den Stationen fast im Verborgenen.
Nina K., 27.01.2026
Zur Autorin: Mein Name ist Katharina und ich bin seit dem Jahr 2018 als freiberufliche Autorin tätig. Zuvor habe ich mein Studium in Anglistik und Philosophie erfolgreich abgeschlossen. Das Verfassen von Artikeln für Lehrerblogs zählt nicht nur zu meinen grundlegenden, sondern auch zu meinen liebsten beruflichen Aufgaben. Mir macht es viel Freude, sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern nützliche Ratschläge für den Alltag 'vor der grünen Tafel' an die Hand zu geben. Meine Themenschwerpunkte reichen von Hilfestellungen für die Organisation über Tipps für eine gelungene Unterrichtsführung bis hin zu Gedanken über Werte wie Empathie und Mitgefühl – sie ermöglichen nicht nur in der Schule ein harmonisches Miteinander.
