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Offener Unterricht - mehr Mitspracherecht im Klassenraum

Bei der Unterrichtsführung liegt jeder Methodik ein pädagogischer Ansatz zugrunde. Selbst der Frontalunterricht oder die verbale Interaktion zwischen der Lehrkraft und der Klasse sind Konzepte, die sich je nach Ausgangssituation in der Klassengemeinschaft bewähren oder sich in der Praxis als unzureichend herausstellen.

Im Laufe ihrer Karriere vor der Tafel wenden Lehrerinnen und Lehrer verschiedene Techniken an, um der Schülerschaft nicht nur einen spannenden oder anschaulichen Unterricht zu bieten, sondern um sie professionell an die Aufnahme von neuen Erkenntnissen heranzuführen. Jedes Verfahren verfolgt das Ziel, das Lernpotenzial aller Schülerinnen und Schüler zu erkennen und die gesamte Klasse nach bestem Wissen zu fördern.

Beim offenen Unterricht werden die Grenzen zwischen der Schülerschaft und den Lehrkräften aufgebrochen. Die Klassenmitglieder müssen Entscheidungen vonseiten der Lehrperson nicht stillschweigend zur Kenntnis nehmen, sondern sie dürfen - und sollen - ebenfalls Einfluss auf den Unterricht nehmen.

Was ist offener Unterricht?

Der offene Unterricht ist ein demokratisches Konzept. Anders als bei den meisten anderen Unterrichtsmethoden entscheidet nicht alleine die Lehrperson, welche Themen behandelt werden und wie die Stunde abläuft. Beim offenen Unterricht bringen sich die Klassenmitglieder in das Gespräch ein. Sie diskutieren mit ihrer Lehrkraft über Themenbereiche, mit denen sie sich im Unterricht näher auseinandersetzen möchten. Darüber hinaus werden die Herangehensweisen erörtert. Die Lehrperson nimmt jeden Vorschlag ernst und überlegt, wie er sich im Unterrichtsgeschehen umsetzen lässt.

Vorteile des offenen Unterrichts

Die offene Unterrichtsführung baut vor allem bei schüchternen Kindern Hemmungen ab, die sich beim frontalen Austausch mit der Lehrkraft nur schwer überwinden lassen. Beim offenen Unterricht geht die Lehrperson anders vor. Sie ruft die Anwesenden nicht auf oder bittet um Wortbeiträge, sondern sie lässt der Klasse das Wort.

Das Einbeziehen der Schulpflichtigen in die Unterrichtsplanung ist ein deutliches Zeichen. Lehrerinnen und Lehrer bringen ihr Vertrauen in die Klassenmitglieder zum Ausdruck, was als kompletter Gegenentwurf zum fremdbestimmten Unterricht angesehen werden kann. Anstelle eines hierarchischen Verhältnisses begegnen sich beide Seiten auf Augenhöhe. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in besonderem Maße respektiert, wenn sie den Unterricht mitgestalten dürfen. Die Fachlehrkraft räumt ihnen ein Mitspracherecht ein. Solch ein Entgegenkommen verbessert das Verhältnis zwischen der Lehrperson und ihrer Schülerschaft weit über die Unterrichtsstunde hinaus.

Ein offener Unterricht hält die Anwesenden zur Selbstdisziplin an. Die Klassenmitglieder dürfen die Unterrichtsstunde nach ihren Vorstellungen gestalten; sie müssen die von ihnen bestimmten Regeln aber einhalten. Zudem fördert der Austausch im Plenum ihre kommunikativen Kompetenzen.

Methoden des offenen Unterrichts

Ein offener Unterricht gliedert sich in mehrere Abstufungen, die sich parallel oder vereinzelt in den Ablauf der Stunde einflechten lassen.

Bei der freien Arbeitsphase bestimmen die Klassenmitglieder, wie sie sich an den Stoff heranwagen. Die Methode wird von der Lehrkraft nicht vorgeschrieben. Daneben stehen der Schülerschaft die Inhalte frei, mit denen sie sich beschäftigen. Diese Unterrichtsphase wird alleine oder mit anderen Mitgliedern aus dem Klassenverband in Angriff genommen.

Das Stationenlernen oder die Arbeit in Arbeitsgruppen zählen ebenfalls zur offenen Unterrichtsgestaltung. Die Stationen werden von der Lehrkraft oder von den Schülerinnen und Schülern im Klassenzimmer aufgebaut. Im Anschluss arbeiten alle Anwesenden die Lernstationen in Etappen ab.

Häufig wird der Diskurs in klasseninternen Gremien als offener Unterricht definiert. Bei den Diskussionsrunden sprechen die Beteiligten unterschiedliche Fragestellungen und Anliegen an, welche die ganze Klasse oder einzelne Anwesende betreffen. Die Lehrperson moderiert das Gespräch oder nimmt sich zurück, um die Position des Beobachters einzunehmen.

Umsetzung im Klassenzimmer

Die Maßnahmen zur Umsetzung hängen von der Art des offenen Unterrichts ab. Gespräche unter der Aufsicht der Klassensprecherinnen und Klassensprecher bedürfen keiner umfangreichen Planung. Lernstationen sind mit einem größeren Aufwand verbunden. Sie werden von der Lehrperson und den Klassenmitgliedern im Raum aufgebaut.

Für das Lernen an Stationen brauchen die Beteiligten Platz. Darin unterscheidet sich die Lerntechnik von Gesprächen im Klassenverband, die sich je nach Platzangebot im Stuhlkreis oder an den Sitzplätzen durchführen lassen.

Der offene Unterricht ist eine Gelegenheit für die Anwesenden, um bewährte Lernmethoden anzuwenden oder neue Techniken kennenzulernen. Deshalb sollten Lernstationen nicht auf einen Lerntyp limitiert sein, sondern allen Vorlieben gerecht werden.

Am Ende der Stunde versammeln sich alle Klassenmitglieder, um gemeinsam mit der Lehrkraft über den Verlauf des Unterrichts zu sprechen. Die Ergebnisse der Auswertung sensibilisieren die Lehrperson für Probleme, die bei der Unterrichtsplanung von zukünftigen Stunden zu bedenken sind.

Herausforderungen und Kritik

Ein offener Unterricht bietet den Anwesenden neue Chancen bei der Gestaltung der Unterrichtsstunde. Die Vorteile dürfen Lehrerinnen und Lehrer allerdings nicht zu einer Relativierung von möglichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung verleiten. Ein offen geführter Unterricht fordert die Klasse zu einem reflektierten oder auch kritischen Denken heraus. In jüngeren Klassenstufen verfügen die Kinder in dieser Hinsicht über weniger Erfahrung, was sich bei der Durchführung des Konzepts oft als problematisch erweist.

In Fachkreisen wird die fehlerhafte Struktur bei der offenen Unterrichtsführung kritisiert. Auch hier spielt das Alter der Klassenmitglieder eine Rolle. Je jünger die Schülerschaft ist, umso mehr sind sie auf einen geordneten Ablauf im Unterricht angewiesen. Deshalb ist ein offener Unterricht für die ersten Klassen weniger geeignet als für eine ältere Zielgruppe. Es spricht aber nichts dagegen, das Verfahren auch in der Grundschule auszuprobieren.

Ein weiteres Problem betrifft die Beurteilung von Leistungsständen. Im Gegensatz zur frontalen Wissensvermittlung hat die Lehrperson jedes einzelne Klassenmitglied nicht während der gesamten Stunde im Blick. Bei den Arbeitsphasen setzen sich die Schülerinnen und Schüler selbstständig mit den Inhalten auseinander. Dieser Umstand erschwert eine aussagekräftige Bewertung ihrer fachlichen Fähigkeiten.

Tipps für Lehrkräfte - so gelingt die Durchführung im Klassenzimmer

Wenn das Verfahren als Premiere eingeführt wird, teilt man der Klasse das Vorgehen rechtzeitig mit. Daneben werden Fragen zum Ablauf oder auch zum Zweck der Methode beantwortet. Die Einführung in den offenen Unterricht wird spätestens am Anfang der Stunde vorgenommen, damit die Klasse ausreichend Zeit zum Arbeiten hat.

Bei der Unterrichtsplanung ist ein gutes Zeitmanagement entscheidend. Für Diskussionsrunden sollten etwa 10 bis 15 Minuten anberaumt werden. Gespräche mit der Lehrperson über die Gestaltung der Unterrichtsstunde erstrecken sich maximal über 20 Minuten. Arbeitseinheiten an Lernstationen dauern ungefähr eine halbe Stunde.

Schulpflichtige lernen visuell, auditiv, kommunikativ und motorisch. Ihre Präferenzen bilden sich oft in den ersten Wochen der Schulzeit heraus. Alle vier Lerntypen sind die Spiegelbilder der einzelnen Lernstationen. Bei manchen Aufgabenstellungen lassen sich mehrere Lerntypen miteinander kombinieren - die schriftliche Bearbeitung adressiert sich an visuell-auditiv veranlagte Schülerinnen und Schüler, während der Dialog mit anderen Beteiligten die kommunikativen Fähigkeiten stärken.

Offener Unterricht - FAQs

1. Für welche Fächer ist das Konzept des offenen Unterrichts besonders geeignet?

Die Methodik lässt sich in fast allen Unterrichtsfächern in den Ablauf der Stunde integrieren. Besonders häufig findet sie im (Fremd-)Sprachenunterricht oder in naturwissenschaftlichen Fächern Verwendung. Verfahren wie das Gespräch im Gremium sind fächerübergreifende Techniken. Klassenprojekte oder das Lernen an Stationen fokussieren sich zumeist auf ein ausgewähltes Thema.

2. Kann ich eine gesamte Unterrichtsstunde nach dem Verfahren aufbauen?

Nein, das ist kaum möglich. Der offene Unterricht nimmt die Wissensvermittlung nach frontalem Vorbild nicht vorweg. Stattdessen halten sich beide Methoden die Waage. Mit zunehmendem Alter der Schülerinnen und Schüler nimmt der Anteil des offen geführten Unterrichts zu. Eine Ausnahme bilden Projektwochen. Sie sind kein Unterricht im klassischen Sinn, sondern nehmen einen durchschnittlichen Zeitraum von einer Woche in Anspruch. In dieser Zeit arbeiten die Klassenmitglieder in Gruppen zusammen, um sich intensiv mit einer Thematik oder einem Themenfeld zu beschäftigen. Deshalb ist die Projektarbeit eng mit dem Stationenlernen verwandt.

3. Wie verhalte ich mich als Lehrkraft während der Arbeitsphase?

Ein offen geführter Unterricht entbindet die Lehrpersonen nicht von ihrer Verantwortung für die Klassenmitglieder. Lehrerinnen und Lehrer nehmen als "Zaungäste« am Unterrichtsgeschehen teil: Sie halten sich während der Arbeitsphase im Klassenraum auf, ohne ihre Hilfe aufzudrängen. Wenn ihre Unterstützung jedoch notwendig ist, sind sie zur Stelle. Auf diese Weise entwickelt sich ein vertrauensvoller Umgang zwischen Lehrenden und Lernenden: Die Schülerschaft erkennt, dass ihnen ihre Fachlehrkraft eine eigenständige Arbeitsweise zutraut. Gleichzeitig fühlen sich die Schülerinnen und Schüler dank der Anwesenheit der Lehrperson nicht im Stich gelassen.

Fazit - offen sein für neue Gestaltungsmöglichkeiten

Das unbeirrte Festhalten an einer einzigen Unterrichtsmethode ist weder realistisch noch sinnvoll. In jeder Klasse herrscht eine andere Konstellation im Hinblick auf die Arbeitsweise und den Wissensstand vor. Lehrkräfte müssen bei der Planung ihres Unterrichts darauf eingehen, um alle Klassenmitglieder "mitzunehmen«. Diese Aufgabe hat oft weitreichende Konsequenzen für die einzelnen Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Klasse als heterogene Gruppe.

Ein offener Unterricht ist eine sinnvolle Ergänzung zum frontalen Dialog zwischen der Lehrperson und der Klassengemeinschaft. Bei dieser hybriden Form werden mehrere Arten aus dem Spektrum der Kommunikation abgedeckt: Die Lehrkraft agiert als Wissensvermittler und hält zugleich Rücksprache mit der Klasse. Die Klassenmitglieder bringen ihre eigenen Visionen von einer gelungenen Unterrichtsstunde zur Sprache. Das selbstständige Erarbeiten von Fachkenntnissen findet in Einzelarbeit oder im Austausch mit anderen Beteiligten statt.

Ungeachtet der Vorteile des offenen Unterrichts müssen Lehrerinnen und Lehrer mit herausfordernden Situationen rechnen, die in den ersten Minuten der Stunde noch nicht absehbar sind. In den ersten Jahren brauchen die Schulpflichtigen wesentlich mehr Beistand von ihren Lehrkräften als in den höheren Klassenstufen. Je älter und erfahrener die Schützlinge sind, umso mehr darf man ihnen zumuten. Ein langsames Herantasten an die offenen Strukturen ist erfolgsversprechend - man führt die Klasse mit leicht zu bewältigenden Aufgaben an die Technik heran, bis der Anteil der offenen Arbeitsphasen ausgeweitet wird.

Nina K., 11.03.2025

Zur Autorin: Mein Name ist Katharina und ich bin seit dem Jahr 2018 als freiberufliche Autorin tätig. Zuvor habe ich mein Studium in Anglistik und Philosophie erfolgreich abgeschlossen. Das Verfassen von Artikeln für Lehrerblogs zählt nicht nur zu meinen grundlegenden, sondern auch zu meinen liebsten beruflichen Aufgaben. Mir macht es viel Freude, sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern nützliche Ratschläge für den Alltag 'vor der grünen Tafel' an die Hand zu geben. Meine Themenschwerpunkte reichen von Hilfestellungen für die Organisation über Tipps für eine gelungene Unterrichtsführung bis hin zu Gedanken über Werte wie Empathie und Mitgefühl – sie ermöglichen nicht nur in der Schule ein harmonisches Miteinander.