Klassenrat in der Grundschule - guter Rat muss nicht teuer sein
Der klasseninterne Schülerrat beschäftigt sich mit allen erdenklichen Themen, die nur ihre Klasse betreffen. Die leitende Lehrkraft verteilt einen Teil der Anliegen auf die Ratsmitglieder. Auf diese Weise dürfen die Gewählten mitbestimmen. Gleichzeitig wird die Klassenleitung nicht von ihrer Verantwortung befreit, aber durch die Aufgabenverteilung zumindest zeitweilig entlastet. Der hauptsächliche Grund für die Wahl eines solchen Gremiums ist die Befähigung zu einer demokratischen Gesprächskultur, die den schulpflichtigen Kindern nicht früh genug beigebracht werden kann.
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Was ist ein Klassenrat in der Grundschule?
Ein Klassenrat ist ein Ratschluss aus mehreren Klassenmitgliedern. Sie wurden einstimmig von den anderen Schülerinnen und Schülern der Klasse gewählt. Die Klassenleitung arbeitet eng mit dem Gremium zusammen, indem sie die Termine für die Ratssitzungen wahrnimmt und als passives Mitglied erscheint.Die Ratsmitglieder beraten sich im kleinen Kreis oder halten mit der ganzen Klasse Gesprächsrunden ab, in denen sie über Themen mit einer Bedeutung für die gesamte Klassengemeinschaft diskutieren.
Ziele und Vorteile
Die Sitzungen des Rates verfolgen kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele. Zu den kurzfristigen Zielen gehören die Umsetzung von Ideen für geplante Klassenreisen oder das (Mit-)Organisieren von Schulfesten. Mittelfristige Zielsetzungen sind die Bewältigung von Konflikten oder das Sammeln von Spenden für eine Neugestaltung des Klassenraumes.Zu den langfristigen Zielen zählen eine grundlegende Verbesserung oder Stabilisierung des Klassenklimas. Solche Zielsetzungen sind aus zwei Gründen langfristig angelegt. Zur Veranschaulichung ist das Beispiel der verbesserungswürdigen Klassengemeinschaft geeignet: Einerseits dauert es eine gewisse Zeit, bis Methoden zur Optimierung ausgearbeitet wurden und in der Klasse umsetzbar sind. Auf der anderen Seite zielt die Verbesserung des Miteinanders im Klassenverband immer auf die zukünftigen Schuljahre ab, was vor allem in der Grundschule eine Rolle spielt. Die Zusammensetzung der Klassen bleibt von der Einschulung bis zum Ende der vierten Klasse bestehen. Deshalb ist eine förderliche Lernatmosphäre eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit die kleinen Schützlinge ohne Angst vor Mobbing in einem respektvollen Sozialgefüge groß werden können.
Mit dem Vorschlag zur Wahl eines Klassenrates bringen Lehrerinnen und Lehrer ihrer Schülerschaft sowohl Vertrauen als auch Zutrauen entgegen: Sie trauen ihnen zu, dass sie geeignete Kandidaten zum Klassenrat ernennen. Dieser Vertrauensbeweis stärkt die Selbstwirksamkeit der Grundschulkinder. Darüber hinaus wird die Beziehung der Klassenmitglieder zur Lehrperson enger: Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich von ihrer Lehrkraft in besonderem Maße wertgeschätzt. Sie erkennen, dass die Klassenleitung sie nicht nur als schulpflichtige, sondern auch als mündige Persönlichkeiten ansieht und einen Teil der Verantwortung auf die Ratsmitglieder überträgt.
Wer macht was? Die Rollen im Klassenrat
An den regelmäßigen Sitzungen nimmt der gesamte Rat teil. Üblicherweise ist auch die Klassenleitung an den Zusammenkünften beteiligt. Sie hält sich jedoch weitgehend zurück und lässt den gewählten Mitgliedern das Wort. Bei den kleinen Ratssitzungen sind nur die Ratsmitglieder und die Lehrkraft anwesend. Die großen Zusammenkünfte setzen sich aus allen Klassenmitgliedern zusammen.Im Gremium des Klassenrats gibt es eine Rollenverteilung. Oft ergibt sie sich von selbst, indem bestimmte Mitglieder des Kreises in die jeweilige Aufgabe 'hineinrutschen'. Neben einem grundsätzlichen Interesse ist die Eignung für die anfallenden Tätigkeiten notwendig.
Der Vorsitzende leitet die Sitzungen. Er setzt die anwesenden Mitglieder über die Themen in Kenntnis, die für die Klassengemeinschaft relevant sind. Während des Austauschs fungiert der Vorsitzende als Vermittler zwischen den Beteiligten und ihren jeweiligen Interessen.
Bei jeder Sitzung ist ein Protokollant anwesend. Seine Aufgabe ist das schriftliche Dokumentieren der Zusammenkünfte. Er schreibt die Ergebnisse der Sitzung mit wenigen Worten als Zusammenfassung auf, die er dem Vorsitzenden zukommen lässt. Die Stichpunkte lassen sich als Ergänzung für Klassenregeln verwenden.
Ein weiteres Mitglied ist der Moderator. Er leitet das Gespräch und greift bei unsachlichen Äußerungen ruhig, aber bestimmt ein. Der Zeitplan wird ebenfalls von einem Ratsmitglied kontrolliert, damit die Diskussionen im Klassenzimmer nicht ausufern.
Ablauf
Die Ratsmitglieder kommen entweder einmal in der Woche oder alle zwei Wochen zusammen. Bei ihren Sitzungen diskutieren sie über anstehende Termine, welche die ganze Klasse betreffen oder über Themen, die zusammen mit den übrigen Klassenmitgliedern angesprochen werden.In vielen Klassen ist ein Briefkasten vorhanden, in den die Schülerschaft ihre Anliegen auf einem zusammengefalteten Zettel einwerfen kann. Die anonymen Briefe werden von den Anwesenden gelesen, ausgewertet und bei der nächsten Gesprächsrunde mit der Klasse thematisiert.
Regeln und klassische Themen
In einem Klassenrat gelten die Grundregeln der Demokratie. Jedes Mitglied darf sich mit eigenen Wortbeiträgen oder Meinungsäußerungen einbringen, solange andere Ansichten respektiert werden.Die Themenbereiche beginnen bei der Zimmerverteilung auf der alljährlichen Klassenfahrt und enden bei der Mediation vor dem Hintergrund der Konfliktlösung.
Klassenrat in der Grundschule - FAQs
1. Gibt es eine Mindestanzahl an Kandidatinnen und Kandidaten?Die ideale Anzahl liegt bei 4 bis 6 Mitgliedern. Wenn zu viele Beteiligte mitwirken, werden die Ratssitzungen unübersichtlich und verfehlen häufig die angestrebten Ziele. Bei einer zu geringen Teilnehmeranzahl lassen sich die Aufgabenbereiche nicht gleichmäßig auf die Ratsmitglieder verteilen.
2. Kann die Lehrkraft einzelne Mitglieder aus dem Klassenverband ohne ihre Zustimmung für das Amt auswählen?
Bei der Wahl des Gremiums ist der freiwillige Entschluss ein maßgebliches Kriterium. Die Klassenleitung kann einzelne Mitglieder aus der Klasse als geeignete Kandidaten empfehlen; der Entschluss liegt jedoch bei den Schülerinnen und Schülern. Ein von der Lehrkraft ausgewählter Klassenrat entspricht daher nicht dem eigentlichen Zweck, welcher mit der Zusammenstellung des Gremiums erreicht werden soll. Die Ermutigung der Schülerschaft zu einem selbstständigen Ernennen der Ratsmitglieder schließt eine bewusste Zurückhaltung von Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern ein, was bereits während des Wahlvorgangs befolgt wird.
3. Was fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich des Klassenrates?
Die Mitglieder sind bei persönlichen Problemen ansprechbar. Bei Konflikten versuchen sie, zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln und im besten Fall eine dauerhafte Versöhnung zu erwirken. Andere Probleme betreffen nicht eine Gruppe oder die ganze Klasse, sondern einzelne Mitschüler. Hier ist ein Gespräch mit dem Klassenvorstand oder einer Fachlehrkraft zielführender. Angelegenheiten wie die Benotung von Leistungen sollten aus Datenschutzgründen ebenfalls mit Lehrkräften besprochen werden.
4. In welchen Abständen werden die Mitglieder gewählt?
Diese Entscheidung wird entweder der Klasse oder den Amtierenden überlassen. Die Wahlen können einmal im Halbjahr oder am Anfang eines neuen Schuljahres durchgeführt werden. Eine verlängerte Kandidatur von einzelnen Mitgliedern sollte aber nicht der Regelfall sein. Jedes Klassenmitglied hat die Möglichkeit, sich für das Amt anzubieten. Deshalb sollte die Klassenleitung auf gerechte Wahlbedingungen achten.Fazit - der Klassenrat hat gesprochen!
Ein Klassenrat hat nicht nur für die Schülerschaft, sondern auch für die Klassenleitung einen Vorteil, der bereits in der Grundschule für dieses Amt spricht: Schon in den ersten Schuljahren haben die Kinder einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie besitzen die Fähigkeit, gute und schlechte Handlungen zu erkennen. Darüber hinaus ist den meisten Schulkindern ab der ersten Klassenstufe viel an einem positiven Lernklima gelegen. Mit der Wahl der Ratsmitglieder wird ihnen eine große Chance eröffnet: Sie dürfen ihre eigenen Vorstellungen von einem sozialverträglichen Umgang innerhalb des Klassenverbands zu Richtlinien verarbeiten, die eine sinnvolle Erweiterung der Klassenregeln darstellen.In den Grundschuljahren ist die Schülerschaft noch jung, aber dennoch zur Selbstverantwortlichkeit fähig. Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer setzen mit der Wahl der Ratsmitglieder ein deutliches Zeichen: Sie zeigen der Klasse, dass sie ihnen solch ein verantwortungsvolles Amt zutrauen und an eine gute Zusammenarbeit glauben. Lehrkräfte sind mit einem bewussten Rückzug gut beraten: Sie nehmen sich zurück und überlassen dem Klassenrat Entscheidungen, die sie sonst allein getroffen hätten. Wenn ein Zusammenschluss aus Mitgliedern der Klassengemeinschaft in gewissen Bereichen selbst entscheiden darf, wird das Verhältnis der Klasse zur Lehrperson spürbar verbessert. Trotz ihrer Funktion als Klassenleitung tritt die Lehrkraft nicht wie eine uneingeschränkte Macht in Erscheinung, sondern kann auch die Ratsmitglieder mit gutem Gewissen mitbestimmen lassen.
Nina K., 08.01.2026
Zur Autorin: Mein Name ist Katharina und ich bin seit dem Jahr 2018 als freiberufliche Autorin tätig. Zuvor habe ich mein Studium in Anglistik und Philosophie erfolgreich abgeschlossen. Das Verfassen von Artikeln für Lehrerblogs zählt nicht nur zu meinen grundlegenden, sondern auch zu meinen liebsten beruflichen Aufgaben. Mir macht es viel Freude, sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern nützliche Ratschläge für den Alltag 'vor der grünen Tafel' an die Hand zu geben. Meine Themenschwerpunkte reichen von Hilfestellungen für die Organisation über Tipps für eine gelungene Unterrichtsführung bis hin zu Gedanken über Werte wie Empathie und Mitgefühl – sie ermöglichen nicht nur in der Schule ein harmonisches Miteinander.
